Wäre dieser Satz nicht Inschrift eines Ikea-Kataloges würde ich dieses Motto als mein Lebensmantra verkaufen. Ein paar Träume habe ich ja, planen tu ich auch ganz gerne, und Entscheidungen sind meine Spezialität. Bloß wer macht den Rest? Wer sorgt dafür dass meine Entscheidungen funktionieren- und die Planung meiner Träume nicht als Seifenblase endet?
Es ist Anfang September, das Post-Abi Gefühl kommt in Wellen wieder an das Ufer geschwappt, und so langsam bekomme ich die einstudierte Mimik und Antwort auf: „und wie geht dein Leben jetzt weiter?“ ohne Beteiligung meines Bewusstseins hin. Ein leichtes Schulternzucken, ein „ich warte“, ein gefälschtes optimistisches Lächeln und eine kurze knappe Erklärung warum ich nicht dort weiterstudieren werde wo ich die letzten 2 Jahre zugebracht habe. Übung macht den Meister.
Doch was antworte ich mir jeden Morgen? Ich selbst lasse diese Frage nämlich – zwar ungern- aber doch recht häufig in meinem inneren Auge aufflammen und mein schauspielerisches Talent beschränkt sich leider auf die Überzeugung der Umwelt.
Ja was antworte ich? Das Schulterzucken ist echt. Das „ich warte“ auch- es fehlt vielleicht nur das „ich warte so ungeduldig, dass ich jeden Morgen zum Briefkasten renne und dort mit leichtem Kammerflimmern ankomme aus Angst vor Absagen oder noch schlimmer: vor dem großen Nichts“. Das optimistische Lächeln gleicht in Wirklichkeit einem pessimistischen Seufzen und die kurze knappe Erklärung- sagen wir, die könnte ganze Enzyklopädien füllen.
In der Tat. Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht wie es weitergehen wird, ich weiß nicht wo und ob ich überhaupt studieren werde. Ob ich in Deutschland bleibe oder weit weit weg gehe. Ob ich Stabilität, Flexibilität oder Spontanität erwarten darf. Letztendlich weiß ich rein gar nichts.
Du träumst, planst und entscheidest. Wir machen den Rest. Netter Satz. Er gibt einem das Gefühl interner Kontrolle, darüber, dass man die Wege im Leben frei wählen darf. Das Gefühl, das hinter jeder Gabelung jemand steht und aufräumt und den Weg vorpflastert. Das Gefühl, das alles gut wird weil „andere den Rest machen“.
Dieser September hat leider rein gar nichts mit dem Satz gemein. Ich schlage den Ikea-Katalog wieder zu, blicke zum Briefkasten und frage mich zum x-ten Mal an diesem Tag: „Wie geht dein Leben jetzt eigentlich weiter?“.

